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Donnerstag, 09.07.2026

"Ohne Mathematik gäbe es keine Erklärung der Welt"

Ein Mann mit einem orangen Pullover und Brille sitzt in einem festlichen Saal mit roter Samt-Bestuhlung Saal. ©Uni Graz/Tzivanopoulos
©Uni Graz/Tzivanopoulos

NAWI-Dekan Klemens Fellner ist Mathematiker und Musiker. In beiden Disziplinen sind Zahlen wichtig. Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Wie lässt sich Leben berechnen? Und was kann die Wissenschaft sichtbar machen, das dem bloßen Auge verborgen bleibt? Diesen Fragen widmet sich die 14. European Conference on Mathematical and Theoretical Biology an der Universität Graz. Von 13. bis 17. Juli kommen rund 1.300 Forschende aus aller Welt am Campus zusammen, um über Modelle, biologische Prozesse und die Zukunft datenbasierter Medizin zu diskutieren. NAWI-Dekan und Mathematiker Klemens Fellner spricht über die Sprache, die die Welt erklärt

Mathematik gilt als abstrakte Disziplin. Tatsächlich berührt sie aber sehr konkrete Themen: Wie breiten sich Infektionen aus? Wie entwickeln sich Zellen? Wie lassen sich große Datenmengen so auswerten, dass daraus neue Erkenntnisse für Diagnostik, Therapie oder personalisierte Ansätze entstehen? Hinter Gleichungen und Wahrscheinlichkeiten stehen am Ende Fragen, die uns alle betreffen: Wie entsteht Leben? Wie verändert es sich? Und wie viel davon lässt sich überhaupt beschreiben?

„Mathematik ist das Werkzeug, das alle Wissenschaften quantifiziert und mit Zahlen belegbar macht. Ohne sie gäbe es keine Erklärung der Welt“, sagt Klemens Fellner, Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz. Wenn sie eine gesprochene Sprache wäre, gäbe es dann Verständigungsprobleme zwischen den Disziplinen? „Ja, durchaus“, sagt Fellner. „Nicht jedes Anwendungsgebiet lässt sich mit denselben Modellen lösen. Die Physik ist anders als die Chemie. Die Computertomographie unterscheidet sich von der Musik. Als Mathematiker muss man sich auf die jeweilige Sprache, sprich auf die passenden Gleichungen, einstellen und sie lernen.“

Graz als Mathematik-Hotspot

Diesen Austausch zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen Zugängen macht die Konferenz sichtbar. Biolog:innen, Mediziner:innen, Mathematiker:innen und Informatiker:innen arbeiten zunehmend an denselben Problemen – jedoch aus verschiedenen Perspektiven. Während die einen Proben nehmen, Daten erheben oder Experimente planen, suchen die anderen nach Mustern, formulieren Zusammenhänge und berechnen mögliche Entwicklungen. Solche Verfahren stecken in bildgebenden Methoden ebenso wie in statistischen Studien, in der Medikamentenentwicklung, in Risikoabschätzungen oder epidemiologischen Prognosen. Wer heute über personalisierte Medizin spricht, spricht auch über Datensätze, Wahrscheinlichkeiten und Simulationen. Die Patient:innen bleiben dabei einzigartig – doch gerade um diese Individualität besser zu verstehen, braucht es Berechnung.

Dass mathematische Strukturen nicht nur in Laboren, Kliniken oder Computermodellen eine Rolle spielen, zeigt ein Blick in die Musik. „Was wir als harmonisch empfinden, hat mit einfachen Zahlenverhältnissen zwischen Tönen zu tun: Eine Oktave, eine Quinte oder eine Quarte klingen deshalb vertraut, weil ihre Schwingungen in bestimmten Proportionen zueinanderstehen“, erklärt Fellner, der selbst Musiker ist. Die Wellengleichung, deren Grundlagen bereits im 18. Jahrhundert formuliert wurden, beschreibt, wie sich solche Schwingungen ausbreiten – etwa auf einer Saite, in einer Luftsäule oder in einem Raum.

„Vielleicht ist sie deshalb so grundlegend für die Wissenschaften: nicht, weil sie die Welt endgültig erklärt, sondern weil sie immer wieder neu fragt, wie die Welt beschrieben werden kann“, sagt Fellner. „Mathematische Grundlagenforschung liefert oft erst Jahre später sichtbare Anwendungen – umso wichtiger ist eine verlässliche Finanzierung der Universitäten, die solche langfristigen Erkenntnisräume offenhält.“ 

Jetzt anmelden! 

An der Universität Graz vermittelt das NAWI Graz-Studium “Mathematik” nicht nur abstrakte Methoden und theoretische Grundlagen, sondern zeigt auch, wie mathematisches Denken hilft, komplexe Fragen aus Naturwissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft präzise zu beschreiben und zu lösen. Jetzt bis zum 24. August 2026 für das Bachelor-Studium anmelden. 

 

Erstellt von Konstantin Tzivanopoulos

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